Winter 2008
Ohne Freunde ist alles nichts

Ein Gespräch mit der Romanautorin Regine C. Henschel
Was passt besser zu einem Frühstück im Literaturhaus in der Fasanenstraße als eine angeregte Plauderei mit einer überaus charmanten Romanautorin? Regine C. Henschel, die studierte Publizistin und langjährige Journalistin für Arte, ZDF, MDR und 3sat, arbeitet als PR-Referentin für Firmen und wissenschaftliche Institute. In dieser Funktion pendelt sie zwischen den Büros in Stuttgart und Berlin, wohin sie mittlerweile ihren Wohnsitz verlegt hat. Viele Städte lernte sie beruflich kennen und empfand die Ödnis gleich aussehender Fußgängerzonen mit ihren Filialisten als deprimierend. Ihrem journalistischen Spürsinn entging dabei nicht, welch eigentümliche Szenen es dagegen im Berliner Kiez zu entdecken gibt. Straßen mit kleinen Geschäften – und Geschichten. Nach einer gründlichen Recherche entstand ihr erster Roman „Gefühlte Lage sonnig“ – und die Fortsetzung „Männer und andere Problemzonen“ ließ nicht lang auf sich warten.
Im Mittelpunkt steht nach seinem subjektivem Empfinden sicherlich der Mops Conrad, ein Amor auf vier Pfoten, den die Romanheldin Sissi von ihrem Opa geerbt hat. Mit Mops und Opas Antiquitäten eröffnet sie eine kleine Art Deco Galerie mitten in Berlin. Drum herum finden und erfinden sich junge, dynamische Frauen, die mitten im Leben stehen und deren unentbehrliche Freunde. Mit dem Finger tippt Regine Henschel auf den Buchtext: „Wahre Freunde sind das Glück der Erde,“ betont sie.
„Ich kenne viele Städte, aber soviel Lokalkolorit gehört einfach nach Berlin. Vielleicht könnten meine Romanfiguren ihre Erlebnisse auch woanders haben, sie sind universell, menschlich eben. Und manchmal ist mir dabei, als lebe ich mehr in den Romanen als in dieser Welt.“
Auf dem Boden der Tatsachen wieder angekommen, was sind die realistischen Probleme, die in diesem Roman angesprochen werden?„Viele Einzelhändler gehen mit einer witzigen Idee, aber ohne weitreichende Planung und Finanzierung an den Start. Das eine Jahr staatlicher Förderung ist eher gefährlich, denn es verdeckt mitunter, ob ein Geschäft wirklich rentabel ist und sein könnte. Oftmals denkt man, es muss doch einfach weitergehen, denn ich habe schon soviel Energie hineingesteckt, aber dann ist schnell auch alles Ersparte weg, so wie bei Moni im Buch." In dem Roman bilden die ehrlichen Freunde das wirksame Korrektiv, aber es sei nicht zuviel verraten von der spannenden Handlung, in der es auch um das Auseinanderleben von Mann und Frau geht und wie man wieder den richtigen Pepp in die Beziehung bringt. Pünktlich zum weihnachtlichen Fest rundet eine Anthologie das bisherige „Glück im Doppelpack“ zweier Romane im Piper Verlag ab. Ein Lesespaß in und aus Berlin!



















