Sommer 2008
Fassbinder auf dem Laufsteg

Ein Gespräch mit dem Theaterregisseur Philipp Preuss
Originelle Produktionen gibt es einige in Berlin, wenige halten sich lange auf dem Spielplan. Die Inszenierung von „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ läuft seit gut einem Jahr sehr erfolgreich in der DT-Box, einer kleinen, fast intimen Spielstätte des Deutschen Theaters. Der Regisseur Philipp Preuss hat als Fassbinder-Fan eine faszinierende Art und Weise gefunden, das bei der Uraufführung 1971 durchgefallene Bühnenstück erfolgreich wieder aufzuführen. Und, das sei gleich vorweg genommen, es lohnt unbedingt den Besuch – und sei es, um die faszinierende Barbara Schnitzler in der Hauptrolle zu erleben.
Das Stück spielt in der Modewelt. Ist das eher ungewöhnlich?„Bei unseren Recherchen haben wir soweit kein anderes Bühnenstück gefunden, das die Modewelt zum Thema hat. Eigentlich merkwürdig, denn der Catwalk impliziert eigentlich immer eine gewisse Dramatik, die der eines Theaterstücks ähnlich ist,“ erläutert der junge österreichische Regisseur.
Aufgrund seiner persönlichen Kontakte konnte er den in Paris lebenden Modedesigner Bernhard Willhelm verpflichten, nicht etwa nur Bühnenkostüme zu entwerfen, sondern Teile seiner Originalkollektion aus dem Jahr 2007 für die Bühne umzusetzen. Die Bühne wird so zum Showroom einer witzigen und provokanten Modekollektion, die trotz allem auch tragbar ist.
„Unbedingt. Die Modewelt und das Theater haben beide ein schnelles Verfallsdatum. Und das ist eigentlich auch der Kern der Figur der Petra von Kant: Das Schlimmste für sie ist das Vergehen von Zeit und die Vergänglichkeit.“
Würden Sie eine solche Produktion wieder übernehmen?„Ich arbeite gern mit Mischformen. Hier ist es Mode und Theater, bei meiner aktuellen Produktion im Künstlerhaus in Bregenz ist es die Mischung aus bildender und darstellender Kunst. Gewisse Elemente finden Sie auch in Warten auf Godot, das ich gerade in Dortmund inszeniert habe. Mich faszinieren unterschiedliche Medien und Bereiche.“



















