Sommer 2008
Von starken Kerlen und ihren sensiblen Seiten

Ein Gespräch mit Götz George anlässlich der Premiere seiner Biografie
Deutsche Schauspieler mit europäischer Geltung kann man an den Fingern seiner Hand abzählen und mit einem ähnlich imposanten Lebenslauf fallen spontan nur Namen wie Mario Adorf oder Armin Müller-Stahl ein. Jetzt wird eine dieser Schauspielerlegenden 70 Jahre alt und brennt noch immer innerlich; ist künstlerisch kreativ mit hohem, an Selbstaufgabe grenzenden Engagement für die jeweilige Rolle. Götz George war und ist nie modisch, nie an den Zeitgeist angepasst, sondern eher ein Traditionalist und solider Handwerker, der seinen Beruf von der Pike auf gelernt hat.
1938 wurde er als zweiter Sohn der Schauspieler Heinrich George und Berta Drews in Berlin geboren. Als Kind stand er bereits auf den Brettern des Hebbel-Theaters. Statt eines festen Engagements an einem Haus, folgten Wanderjahre nach der Schauspielausbildung. „Ich fand mehr Abenteuer beim Tourneetheater. Ich habe dort große alte Meister spielen können und habe mein Rüstzeug für den Beruf auf der Straße gelernt,“ erläutert er mit einem charmanten Lächeln.
Mit großem Erfolg, denn mit 22 Jahren erhielt er den Bundesfilmpreis, ein Jahr später den Kritikerpreis, darauf den Bambi-Filmpreis und viele, viele andere Auszeichnungen im Laufe der Jahre. In bisher rund 40 Theaterrollen und in mehr als 160 Film- und Fernsehprojekten war und ist er zu erleben. Darunter unbequeme Rollen wie den „Totmacher“, mit dem er bei den Festspielen in Venedig als bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Er gilt zu recht als Meister der Zerrissenheit, denn in allen Verkörperungen starker Kerle gelingt es ihm, deren sensible Seiten aufzuzeigen, das Menschliche durchscheinen zu lassen. Größte Bekanntheit gewinnt er durch die WDR-Tatort-Produktionen, für die er die Figur des Kommissar Horst Schimanski mitentwickelt und bestimmt hat, die fast zu seinem alter ego wurde.
„Ich habe mich lange dagegen gesträubt. Man bekommt sein Leben aufgeschlagen, wird dekonstruiert und interpretiert. In meinem Beruf gibt man alles preis. Ich habe mich immer bemüht, das Private heraus zu halten. Bei einer Biografie hatte ich Sorge, dass sich die Leute genau das Pikante herauspicken und das es mir unangenehm ist. Aber Torsten Körner hat mich psychologisch sehr genau erkannt.“
Und was hat den Biografen Torsten Körner bei der gemeinsamen Arbeit am meisten überrascht?„Irgendwann im Garten sitzend hat mir George gestanden, dass es ihn bis heute ärgert, dass er nicht ein besserer Fußballspieler für die Mannschaft des Deutschen Theaters geworden ist. Das ist bis heute die große Wunde in seinem Herzen.“ Das erstaunt bei dem sportlichen Schauspieler umso mehr, der fast alle Stunts selbst macht.
Bei der Buchpräsentation in Berlin danach gefragt, was ihn am meisten freut, erwidert er spontan und ganz ungekünstelt: „Dass meine Tochter extra aus Australien gekommen ist.“


















