Frühling 2008
Ein ehrliches Bekenntnis zum Standort Berlin

Ein Gespräch mit Dagmar Vogt, Gründerin der ib vogt GmbH
Dagmar Vogt hat sich 1991 als planende Ingenieurin selbständig gemacht, sich ab 1998 auf den Solarbereich spezialisiert und 2002 die ib vogt GmbH gegründet, die, stark wachsend, heute bereits 160 Mitarbeiter beschäftigt.
Was ist Ihre Geschäftsidee und warum haben Sie sich für den Standort Berlin entschieden?Wir sind ein klassischer Ingenieur-Dienstleister, d.h. wir entwickeln und planen für unsere weltweiten Kunden Fabriken für Solartechnik. Der Standort Berlin ist für ein modernes und internationales Unternehmen ideal: eine schnell wachsende Metropole mit hoher Lebensqualität, die für jeden Geschmack auch ein hervorragendes Freizeitangebot zum Ausgleich für die Arbeitsherausforderungen bietet.
Für die Überwindung einer Unternehmenskrise erhielten Sie durch eine bundesweite Mittelstandsinitiative 2006 die Auszeichnung „Mutmacher der Nation“. Was war das Besondere an diesem Krisenmanagement?Die Wahrnehmung der Mitarbeiter! Nur wenn ich im Unternehmen eine Art Zuhause und eine Perspektive biete, und meine Mitarbeiter gerade in schwierigen Zeiten in alle Prozesse bewusst einbinde, kann ich auch eine Krise gemeinsam meistern.
Ihr Unternehmen ist in den vergangenen Jahren jeweils um 100% gewachsen, allein in 2007 haben Sie 85 Arbeitsplätze geschaffen. Inwieweit verändert sich die Unternehmenskultur dadurch und was zeichnet sie immer noch aus?Wir haben gemeinsame Werte festgelegt: das sind zehn Leitsätze, die jeder an seinem ersten Tag ausgehändigt bekommt. Es geht dabei um das Wir-Gefühl und darum, dass jeder Mensch gern an seinem Arbeitsplatz sein sollte. Das macht den Wachstumsprozess einfacher, gestützt durch eine interne Kommunikation, die jeden erreicht. Neben der Mitarbeiterzeitung und dem Intranet gibt es zahlreiche Aktivitäten, die ein Teamgefühl vermitteln. Das betrifft auch unsere Tochtergesellschaft in Kalifornien, die wir im letzten Jahr gegründet haben.
Ist es für Sie in manchen Situationen als Frau schwieriger sich zu behaupten oder ist das für Sie kein wirkliches Thema?Als ich vor zwanzig Jahren als Ingenieurin im Kraftwerksanlagenbau begonnen habe, war das ein Thema, aber die Gesellschaft hat sich gewandelt. Heute stehen andere Dinge im Vordergrund. In unserem Unternehmen haben wir einen Frauenanteil von mehr als 50% Ingenieurinnen. Vielleicht auch, weil ich eine Vorbildfunktion einnehme und wir Konzepte haben, bei denen Kinder eben nicht ausgeschlossen sind.
Sie engagieren sich auch über das Unternehmen hinaus für Kinder...Ich unterstützte den Verein Berliner Straßenkinder (www.strassenkinder-ev.de), der komplett auf private Spenden angewiesen ist. Das sind auch „Berliner Gesichter“, aber die, die man nicht auf den ersten Blick sehen kann.
Wenn Sie nicht in Berlin sind, was vermissen Sie an dieser Stadt am meisten?Meinen Kiez in Wilmersdorf, alles nah dran und mittendrin. In Berlin kann man nach einem Geschäftsmeeting im dunkelblauen Anzug in das nächste Lokal gehen und keiner schaut einen dafür an. Jeder ist halt so, wie er ist. Das zeichnet Berlin aus und das liebe ich an dieser Stadt.


















