Frühling 2009
Von der niederländischen Aufgeschlossenheit

Ein Gespräch mit Peter van Wulfften Palthe, dem Botschafter der Niederlande
Sie sind annähernd vier Jahre in Berlin. Worin sehen Sie Ihre persönlichen Arbeitsschwerpunkte?Auch nach vier Jahren ist die Arbeit hier nach wie vor ereignisreich und findet kaum ein Ende. Meine Mitarbeiter und ich sind stets bemüht, neue Kontakte zwischen Deutschland und den Niederlanden zu knüpfen und bereits bestehende Beziehungen zu pflegen. Dies resultiert in intensiver bilateraler Zusammenarbeit, wie etwa vor kurzem bei der Grünen Woche mit den Niederlanden als Partnerland.
Sie haben darauf hingewiesen, dass Deutschland seinen kleinen Nachbarn vernachlässigen könnte. Gab es dazu Anlass?Unsere gegenseitigen Beziehungen sind in vielerlei Hinsicht so intensiv und gut, dass sie fast eine Selbstverständlichkeit sind. Es besteht daher die Gefahr, dass wir dadurch nicht mehr wahrgenommen und wir sozusagen ein wenig unsichtbar werden könnten. Man spricht häufig vom Handel mit aufsteigenden Ländern wie China oder Brasilien und dies obwohl die Niederlande in mancher Hinsicht ein wichtiger Handelspartner sind. Auch sind Niederländer die größte Gruppe ausländischer Touristen in Deutschland.
Denkt man an die Niederlande, so fallen einem sofort Käse, Tulpen und Windmühlen ein. Ist es Ihnen unangenehm, dass Ihr Land für eine kulinarische Köstlichkeit, schöne Blütenpracht und eine der ältesten Zukunftsenergieformen steht?
Nein, im Gegenteil. Wir finden es schön, dass man uns mit diesen positiven Attributen assoziiert. Die Niederlande haben aber natürlich noch viel mehr zu bieten, ich denke zum Beispiel an hochwertige Technologien – wenige Deutsche wissen, dass in fast jedem deutschen Auto auch niederländische Technik steckt. Auch in Sachen Design und Architektur entwickeln Niederländer immer wieder neuartige Ideen und setzen diese auch um! Wie etwa unsere Botschaft nach einem Entwurf von Rem Koolhaas.
Die Berliner Zeitung titelte einen Bericht über das Botschaftsgebäude der Niederlande als „heiteren Bau im strengen Berlin“. Was ist denn Ihr liebster Ort in diesem Gebäude?Im so genannten Trajekt, eine Art Gang, der sich durch das gesamte Gebäude windet, gibt es einen einzigartigen Ausblick auf den Fernsehturm am Alexanderplatz. Man schaut quer durch die Botschaft und das daran anschließende Wohngebäude hindurch und erblickt die runde Kugel des Fernsehturms. Es ist dies der Ort, an dem mir immer unsere Beziehungen zu Berlin sehr bewusst werden.
Holländer sind statistisch gesehen die größten Menschen Europas. Sind in der Botschaft die Türrahmen höher?Nein, in unserer Botschaft gibt es kaum eine normale Tür. Wir haben meterhohe Türen, Schiebetüren, Türen, die komplett in der Wand verschwinden. Ursprünglich war so gut wie keine Tür eingeplant, doch musste man aus Sicherheitsgründen in bestimmten Bereichen auf Türen zurückgreifen, dann aber wohlgemerkt auf außergewöhnliche Varianten.
Was würden Sie aus Berlin als Souvenir mitnehmen?Diesen Sommer werde ich Berlin leider wieder verlassen, um mich anderen Aufgaben zu widmen. Ich habe hier sehr schöne Jahre verbracht und werde einen Koffer voller Erinnerungen an Berlin und Deutschland mitnehmen.






















