Sommer 2008
Die japanische Botschaft

Gespräch mit Kaoru Shimazaki, dem Gesandten und Leiter der Kanzlei
Seit wann arbeiten Sie als Gesandter und Leiter der Kanzlei und mit welchem persönlichen Ziel?Ich bin seit März 2005 an der Botschaft von Japan tätig. Die japanisch-deutschen Beziehungen sind traditionell gut; die Menschen in unseren Ländern vertrauen und schätzen einander. Die Ziele der Botschaft bestehen darin, diese guten Beziehungen durch unterschiedliche Aktivitäten weiter zu entwickeln und auszubauen. Dafürs ist es wichtig, den Dialog auf den verschiedenen Ebenen weiter zu vertiefen. Um das gegenseitige Verständnis zwischen Japan und Deutschland weiter zu fördern, dürfen wir nicht in falsche Vorstellungen aufgrund einseitiger Informationen verfallen oder uns ein Bild voller Stereotype vom jeweils Anderen machen. Vielmehr ist es unerlässlich, den Anderen lebensgetreu kennen zu lernen. Im Gegenzug möchte ich den Menschen in meinem Land aufzeigen, dass Deutschland voller Dynamik ist sowie ein Land, das gewaltige Veränderungen durchläuft.
Es gibt zahlreiche kulturelle Japan-Veranstaltungen. Wie ist der Zuspruch?
Das Interesse der Menschen in Deutschland an der japanischen Kultur reicht von der traditionellen Kultur wie No- und Kabuki-Theater bis zur Popkultur der Gegenwart mit Anime, Manga und Mode aus Japan. Es zeichnet sich somit durch eine außerordentliche Vielfalt aus. Mit dem zunehmenden Interesse an Anime und Manga in den letzten Jahren ist auch die Zahl der jungen Deutschen, die Japanisch lernen, gestiegen. Im Mai dieses Jahres hat das Kabuki-Ensemble Heisei Nakamura-za etwa eine Woche lang in Berlin gastiert. Der Leiter des Ensembles, Kanzaburo Nakamura, war von der außerordentlich positiven Reaktion des Publikums sehr beeindruckt. Wie mir ein Bekannter aus dem Musikbereich sagte, gebe es gerade in Berlin „die Tradition, dem Untraditionellen großen Stellenwert einzuräumen.“ Und zwar, weil hier stets ein der Zeit vorauseilender Experimentiergeist sowie eine aufgeschlossene Haltung gegenüber fremden Kulturen existierten. Dieser besondere Charakter Berlins ist es auch, der viele junge Künstler aus Japan fasziniert und in diese Stadt lockt.
Designer wie Kenzo, Yamamoto oder Issey Miyake sind weltweit bekannt. Jüngst ließ sich Karl Lagerfeld zitieren, die interessantesten Jungdesigner kämen derzeit aus Japan.
Ich muss gestehen, dass ich mich in der Welt der Mode nicht allzu gut auskenne, aber wenn Karl Lagerfeld das so gesagt hat, dann freue ich mich natürlich sehr darüber. Vielleicht ermöglichen es die große Sensibilität und die eigenständigen Empfindungen, in denen asiatische Elemente mit Einflüssen aus dem Westen verschmolzen sind, auch in der Mode originelles Design zu kreieren.
Mir persönlich fallen da ein paar Dinge ein. Ich finde es z.B. befremdlich, wenn bei Theatervorführungen laut die Nase geschnäuzt wird. In Bezug auf die Verkehrsregeln denke ich, dass sich die Radfahrer gegenüber den Fußgängern große Rechte herausnehmen. Auch finden es Japaner ein wenig seltsam, wenn deutsche Besucher in Berlin uns Japaner, die ja Ausländer sind, nach dem Weg fragen. Auf der anderen Seite ist dies vielleicht ein Beleg dafür, dass viele Deutsche uns Japaner für richtige Berliner halten. Darüber würden wir uns dann sehr freuen.
Welche Souvenirs sind bei Japanern beliebt und welche nehmen Sie mit?Ich bin ein großer Fan klassischer Musik und würde gern CD‘s aller hervorragenden Aufführungen in den Konzert- und Opernhäuser Berlins nach Japan mitbringen. Als Souvenirs bei den Japanern erfreuen sich großer Beliebtheit Baumkuchen, Messer aus Solingen, Wein, Bier, Würstchen oder auch Handtücher der Marke Feiler. In jüngster Zeit sind aber auch die umweltfreundlichen Stofftragetaschen sehr beliebt.






















