Sommer 2010
EINE SONNENVERWÖHNTE INSEL

Jamaicas Botschafterin Joy E. Wheeler im Gespräch
BF Ihre Exzellenz, Sie sind seit fast drei Jahren in Deutschland. Wie sind die Beziehungen zwischen beiden Ländern?
Jamaika und Deutschland haben eine lange Tradition freundlicher und gegenseitiger Beziehungen, die durch verschiedene offizielle Besuche unterstrichen wurden. Wir haben uns in der Vergangenheit in einem erfolgreichen Programm bilateraler Kooperationen engagiert. Deutschland beteiligt sich noch heute an den EU Hilfen in den Sektoren Energie, Gesundheitswesen und Klimawandel mit dem Ziel, die aufgestellten Jahrtausend-Entwicklungsziele zu erreichen. Handel und Investitionen sind kritische Punkte für das Wachstum der Wirtschaft Jamaikas, und dies sind insbesondere die Hauptgebiete, für die sich die Botschaft engagiert. Jamaikas kulturelle Produkte sind wettbewerbsfähig und nicht nur für die nationale und regionale Wirtschaft bedeutend. Zudem besteht Jamaikas Bedeutung für die Schifffahrt – Jamaika besitzt den siebtgrößten natürlichen Hafen der Welt –, während innerhalb der gegenwärtigen Energiepolitik, das Hauptaugenmerk auf den Erneuerbaren Energien liegt. Jamaika bietet einen komplett liberalisierten ICT Sektor und das Potential für den erweiterten Handel mit Spirituosen, Gewürzen und anderen Waren. Vor diesem Hintergrund hat die Botschaft, in Zusammenarbeit mit der Jamaica Trade and Invest, ein Handels- und Investmentforum in diesen Sektoren organisiert, das eine sehr positive Resonanz auf der deutschen Seite hervorgerufen hat. Ein weiteres Forum ist später in diesen Jahr geplant und wir hoffen, weiter auf dieses Interesse aufbauen zu können. Deutschland bietet für den Jamaikanischen Markt sehr viel, mit seinen unterschiedlichen Produkten, der Hochtechnologie, Forschung und Entwicklung. Wir sind überzeugt, dass eine Verstärkung der Beziehungen wichtig ist.
BF Wesentliche Wirtschaftszweige Ihres Landes sind Landwirtschaft, Bergbau. Wie steht es um den deutschen Tourismus?
Etwa 25.000 deutschsprachige Europäer besuchen jährlich Jamaika. Lufthansas Tochtergesellschaft Condor und Air Berlin fliegen von Frankfurt und Düsseldorf direkt nach Montego Bay, und verbinden diese zwei europäischen Großflughäfen mit Jamaika. Deutsche, die die Schönheiten des Landes genießen wollen oder Exkursionen unternehmen, bleiben durchschnittlich 14 Tage. Die direkten Invesititonen deutscher Unternehmen in der Tourismusindustrie betreffen weitestgehend Hotels, Restaurants und Reiseveranstalter. Dieser Bereich profitiert von den in den 70er Jahren von deutscher Seite garantierten Regierungsstipendien, Hotel- und Tourismusmanagement zu studieren.
BF Zurückkommend auf die Erneuerbaren Energien, was sind dort die Aussichten?
Energie ist international gesehen eines der wichtigsten Themen aus wirtschaftlicher Sicht und unter Umweltgesichtspunkten. Jamaikas Wirtschaft ist sehr energieintensiv. Mit steigenden Ölpreisen und dem Wunsch, kosteneffiziente und nachhaltige Energielösungen zu finden, hat sich die Regierung verpflichtet, die Abhängigkeit der Insel von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Derzeit werden über 90% der Energieerzeugung durch Petroleumproduktengarantiert. Deswegen werden verstärkt Bemühungen unternommen, die Energieressourcen zu diversifizieren. So soll ein höherer Anteil von Erneuerbaren Energien für den Energiemix erzielt werden, von gegenwärtig 5% auf 30% bis zum Jahr 2030. Die natürlichen Ressourcen für die Erneuerbaren Energien sind in Jamaika reichlich vorhanden (hauptsächlich Wind, Biomasse und Solar). Deutschland leistet im Rahmen des durch die EU gegründeten Caribbean Regional Programme dabei Unterstützung.
BF Und Ihr Eindruck der Stadt Berlin?
Berlin ist eine Stadt, die auf jeden Besucher einen starken Eindruck hinterlässt, egal welche persönliche Einstellung man hat. Die Stadt umarmt jeden, nimmt ihn in sich auf, und so kann jeder auch seine eigene Beziehung finden. Für mich ist Berlin eine einzigartige Stadt mit einem oftmals rätselhaften Wesen, das zu ihrem Ruf beiträgt – man entdeckt oft eine neue Facette. Immer werden mir in Erinnerung bleiben die ausgedehnten Grünflächen, versteckten Hinterhöfe, belebten Plätze wie dem Gendarmenmarkt, die interessante Mischung des kulturellen Angebots und natürlich die große Plattform für ein politisches und diplomatisches Engagement.






















